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Sprüche

37/19

Wer bist Du?
Es war einmal eine Frau, die schwer erkrankt war und im Koma lag. Die Zeit verstrich, ohne dass sie wieder zu sich kam. Auf einmal erschien es ihr so, als sei sie nun tot, als befände sie sich im Himmel und stände nun vor einem Richterstuhl.
„Wer bist du?" fragte eine Stimme. „Ich bin die Frau des Bürgermeisters" antwortete die Frau.
„Ich habe nicht gefragt, wessen Ehefrau du bist, sondern, wer du bist."
„Ich bin Mutter von vier Kindern." entgegnete die Frau.
„Ich habe dich nicht gefragt, wessen Mutter du bist, sondern wer du bist."
„Ich bin Lehrerin." gab die Frau zur Antwort und ihre Stimme schwankte etwas.
„Ich habe auch nicht nach deinem Beruf gefragt, sondern wer du bist."
„Ich bin Christin." sagte die Frau, nun schon ziemlich ratlos.
„Ich habe dich nicht nach deiner Religion gefragt, sondern wer du bist."
Und so ging es immer weiter. Alles, was die Frau erwiderte, schien keine befriedigende Antwort auf die Frage „Wer bist du?" zu sein.
Die Frau war aber keineswegs tot, sondern erwachte wenig später aus dem Koma.
Zum Erstaunen aller wurde sie wieder gesund. Sie beschloss nun, der Frage „Wer bist du?" auf
den Grund zu gehen und auf die Suche zu gehen, herauszufinden, wer sie wirklich war.

nach Anthony de Mello


36/19

Bist du gestresst, nimm deinen Stress bewusst wahr.
Ärgerst du dich, nimm die Verärgerung bewusst wahr.
Bist du zornig, nimm deinen Zorn bewusst wahr.
Sobald dir diese Gefühle bewusst sind, bist du ihnen nicht mehr ausgeliefert.
Dein Gewahrsein ermöglicht dir, sie von aussen zu sehen.
Das Gewahrsein an sich ist rein – wie der offene Himmel.
Stress, Ärger und Zorn können zwar den Himmel vorübergehend mit Wolken bedecken,
doch niemals ihn selbst in seiner Klarheit beeinträchtigen.
Negative Gefühle kommen und gehen wie Wolken, doch der weite, offene Himmel bleibt.

Haemin Sunim


35/19

Verlasse dich nicht auf jemand anderen,
wenn es um dein Glück und Selbstwertgefühl geht.
Nur du kannst dafür verantwortlich sein.
Wenn du dich nicht selbst lieben und respektieren kannst, wird es niemand schaffen.
Akzeptiere, wer du bist. Vollständig. Das Gute und das Schlechte.
Ändere dich, wie du es für richtig hältst,
und nicht, weil du glaubst, jemand anderes möchte, dass du anders bist.

Stacey Charter


34/19

Dieser reine Geist, die Quelle von allem,
scheint für immer und auf alle mit dem Glanz seiner eigenen Vollendung.
Aber die Menschen in der Welt werden dessen nicht gewahr,
da sie nur das für Geist halten, was sieht, hört, fühlt und weiss.
Durch ihr eigenes Sehen, Hören, Fühlen und Wissen geblendet,
erkennen sie nicht die geistige Herrlichkeit der Quellsubstanz.
Doch würden sie endlich alles begriffliche Denken in einem Augenblick abwerfen,
dann würde sich diese Quellsubstanz manifestieren, wie die Sonne,
die in der Leere aufsteigt und das ganze Weltall ohne Hindernis oder Schranken erleuchtet.

Huang-Po, Der Geist des Zen, John Blofeld (Hrsg.)


31/19

Wir alle erfreuen uns manchmal unseres Lebens.
Aber hinter dieser Freude und Zufriedenheit liegt Angst.
Wir suchen immer nach etwas, das hinter der Tür liegt,
und wir fürchten, dass wir es nie finden.
Wir denken: «Wenn ich dieses oder jenes hätte, wäre ich glücklich.»
Momentane Freude löst das unterschwellige Unbehagen nicht auf.
Paradoxerweise ist die einzige Möglichkeit, die Tür aufzuschliessen, sie zu vergessen.

Charlotte Joko Beck, Einfach Zen

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